Bossofala
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Bossofala- eine Gesundheitskampagne für eine ländliche Gemeine – finanziert durch Gelder des BMZ (Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung)

Im Sommer 2018 bewilligte das BMZ über sein BENGO-Portal einen Antrag von „Häuser der Hoffnung“ über ein Budget von knapp 50.000 Euro. Das umfangreiche Projekt befasst sich mit der Alphabetisierung und Verbesserung gesundheitlichen und wirtschaftlichen Situation der Bevölkerung in der ländlichen Kommune von Bossofala (Mali), insbesondere der von Frauen und Mädchen. Ein besonderer Schwerpunkt liegt dabei auf Aufklärung und Information über die gefährlichen Folgen der Mädchenbeschneidung.

Bossofala ist ein Komplex von 17 kleinen ländlichen Dörfern, die verstreut gelegen sind, ca. eineinhalb Stunden Autofahrt auf einer schlechten Piste mit dem Auto von der Hauptstadt Bamako aus zu erreichen, in nordwestlicher Richtung gelegen.

Die erste Phase des Projekts galt der Sensibilisierung: Dorfchefs, Politiker, Verantwortliche, Lehrer, Respektspersonen, Eltern, Ärzte, Hebammen, Krankenschwestern, Schüler, Lehrer, alle Bewohner der Dörfer mussten gewonnen werden, sich an dem Projekt zu beteiligen.

Die Unterrichtseinheiten umfassten: Gesundheitsunterricht, Grundlagen der Haushaltsführung und Vorratshaltung (Geld, Lebensmittel, Medikamente), Alphabetisierung von Erwachsenen. Es wurden neue LehrerInnen ausgebildet, Bildungsveranstaltungen durchgeführt, Sketsche eingeübt, Theatervorführungen präsentiert, Radiosendungen geschaltet, Sendungen im Fernsehen gesendet. Beauftragt mit der Umsetzung wurde unsere malische Partnerorganisation, AMDD, unter der Leitung der malischen Ärztin Dr. Oumou Traoré und Lambert Amoulé, Agronom. Der Zulauf und die Akzeptanz in der Bevölkerung waren überwältigend:

bereits nach drei Monaten Unterweisung haben sich 4 Dörfer öffentlich im Fernsehen als beschneidungsfrei erklärt. Die Dorfchefs warnten, dass jeder, der eine Beschneidung an einem Familienmitglied durchführen würde, aus dem Dorf verstoßen würde. Diese Drohung ist vergleichbar mit einem Todesurteil. Weitere Dörfer stehen kurz vor einer solchen öffentlichen Erklärung. Wir und unser Team vor Ort ist überwältigt von der Wirksamkeit der Veranstaltungen.

Der Erfolg beruht auch auf der Reflect-Methode. Das ist eine partizipative Pädagogik, die Lernende und Lehrende auf eine gemeinsame Ebene stellt. Sie geht konkret aus von den Bedürfnissen der Teilnehmer, so dass sich sehr schnell ein guter Zugang zu den Bedürfnissen der Teilnehmer herstellt. Fehlende schulische Grundlagen, fehlender Zugang zu Bildungsportalen haben zur Folge, dass Wissensvermittlung persönlich und anschaulich stattfinden muss, durch Erklärung, Visualisierung und Anschauung. Gelernte Inhalte werden repetiert und zum Beispiel durch Gesang oder Tanz memoriert, so dass sie in das Gedächtnis Eingang finden. Jede Frau hat Schreckliches zu erzählen und hat zum ersten Mal die Gelegenheit, sich Gehör zu verschaffen. Sie erfährt erstmals im Leben Verständnis und Zuwendung. Überraschend war es für viele Teilnehmerinnen, zu erfahren, dass andere Frauen das gleiche Schicksal erlitten hatten. Eine nie gekannte Welle der Solaridität wurde fassbar erlebt. Oft zeigten sich auch Männer fassungslos darüber, was ihren Töchtern angetan wurde. Männer waren und sind von diesen Traditionen (Beschneidung) meist komplett ausgeschlossen.