Kati: ein Bildungsprojekt

Im Januar 2020 beginnt unser neues, vom Land Baden-Württemberg finanziertes Bildungsprojekt (Stiftung Entwicklungs-Zusammenarbeit Baden-Württemberg (SEZ).

Dabei geht es um Informations- und Aufklärungsarbeit von 10.000 Menschen in 10 Dörfern in Kreis Kati im Süden Malis. Das Projekt beruht auf der Initiative von Frauengruppen in der Kommune, mit denen unser malischer Partner AMDD schon länger zusammenarbeitet. Der Wunsch nach mehr Wissen über bessere Familienplanung, weniger ungewollten Schwangerschaften und einer Beendigung der Genitalverstümmelung geht von ihnen aus. Einbezogen ins Projekt werden insbesondere auch lokale Autoritäten, religiöse Führer und Mitarbeiter im Gesundheitswesen, die das Projekt nachhaltig verankern. Ziel des Projekts ist dabei auch, die Themen Familienplanung und Sexualität gesellschaftlich diskutierbar zu machen. Denn in Mali ist das Thema Sexualität immer noch ein Tabu. Jungen und Mädchen erhalten keine Aufklärung, weder von den Eltern, noch in der Schule. Sie wissen nicht, wie und warum sich ihr Körper in der Pubertät verändert. Die Folge: ungewollte Schwangerschaften, traumatisierende Erlebnisse durch Kindesmissbrauch, fehlende Familienplanung, hohe Mütter- und Kindersterblichkeit.

Der Unterricht erfolgt von unserer Partner-NGO AMDD speziell ausgebildeten Mitarbeitern. Zur Wissensvermittlung wenden sie die in Afrika und von AMDD erfolgreich erprobte Reflect-Unterrichtsmethode an. Das bedeutet, dass Lernende und Lehrende auf einer Stufe stehen und ausschließlich bei den unmittelbaren Bedürfnissen der Lernenden angesetzt wird. Dazu bedienen sie sich in Afrika beliebter Methoden wie Sketchen und Spielen. Auch heranwachsende Jungen und Mädchen werden als Multiplikatoren trainiert, sie geben die Informationen für eine Verhaltensänderung in ihren Familien und Schulen weiter.

Die Gründe für notwendige soziale Veränderungen sind ja bekanntlich zahlreich: das rasante Bevölkerungswachstum führt zur zunehmenden Verarmung. Dazu kommen Bodenerosion und Klimawandel. Sie alle sind auch Fluchtursachen für Zigtausende von jungen Menschen – nicht nur nach Europa, sondern auch dorthin, wo es Geld zu verdienen gibt: bei den islamistischen Terrorgruppen im Norden des Landes.