Die Karitémanufaktur in Siokoro wird eröffnet

 18. Januar 2012

Ein Bericht von Wilfried Hoffer
Gut zwei Stunden nach unserer Abfahrt aus Bamako nähern wir uns Siokoro. Schon weit vor dem Ortseingang ist die Straße von Menschen gesäumt, Kinder zu Hauf, aber auch viele Erwachsene, die winken und klatschen. Die Menge verdichtet sich, viele Hunderte, jedenfalls mehr, als das Dorf Einwohner hat. Kein Wunder, wurden doch, wie wir erfahren, Vertreter aus allen 85 Dörfern des Banan eingeladen. Und sie feiern schon seit dem Vorabend…Nun überrascht uns nicht mehr, dass 1 Tonne Reis gebraucht wurde und ein Ochse und Schafe und Hühner. Eine so einmalige Gelegenheit kann man sich nicht entgehen lassen und die Qualität eines Festes hängt nun mal entscheidend vom Essen ab.

Am Eingang zum Festplatz stehen die Jäger in ihrer traditionellen Kleidung und feuern Salutschüsse ab. Eine mit Plastikplanen überdachte Tribüne steht bereit, bis auf die erste Reihe sind alle Plätze besetzt, sie ist den Ehrengästen vorbehalten: der Abordnungen des Industrie- und Frauenministeriums, dem Präfekten als Vertreters des Gouverneurs, dem Bürgermeister, den Gremiumsmitgliedern der Kooperative – den Damen Koné Virginie Mounkoro, Präsidentin, Sy Kadjatou Sow, ehemalige Ministerin und Gouverneurin, Bouaré Bintou Samaké, Anwältin, den Herren Abdoulaye Traoré, malischer Initiator und Moktar Traoré, Vizepräsident – und schliesslich uns, der Delegation von Häuser der Hoffnung, Nele und Gunthard Weber, Ruth und Wilfried Hoffer.

Schon weit vor dem Ortseingang ist die Straße von Menschen gesäumt.

Virginie Mounkoro, Präsidentin der Association D'appui à la Scolarisation des Filles und der Kooperative Jigya Bon Siokoro.
Virginie Mounkoro, Präsidentin der Association d’appui à la Scolarisation des Filles und der Kooperative Jigya Bon Siokoro, neben Wilfried Hoffer, Gunthard Weber und Nele Weber.

Am Rand des Platzes vor der Tribüne drängen sich die Zuschauer, laute Musik erklingt, traditionelle Tänze werden aufgeführt.
Dann erhebt der „Herr des Protokolls“ oder Moderator, der bei solchen Anlässen nicht fehlen darf, seine Stimme, er führt ein, bevor er den Rednerinnen und Rednern das Wort erteilt, bei genauer Beachtung der Hierarchie: vom Dorfchef bis zur Kabinettchefin, die für die verhinderte Industrieministerin spricht. Alle loben das Vorhaben und bedanken sich beim Verein und bei Abdoulaye Traoré, er ist der Held des Tages. Zwei Reden bleiben im Gedächtnis: die von Virginie Mounkoro und von Kadjatou Sow. Beide erinnern an die Anfänge, Virginie ist ja auch die Präsidentin des malischen Trägervereins von Jigiya Bon, von ihr kam die Idee für das Zentrum, die von Gunthard und Nele Weber aufgegriffen und von Ruth Hoffer umgesetzt wurde, dank der vielen Spender. Die Karitémanufaktur soll ja eines Tages zur Finanzierung von Jigiya Bon beitragen – so schliesst sich der Kreis.

Anschließend wurde die Fabrik begangen. Der Andrang war enorm: neben den “Offiziellen” strömten Dutzende der Festteilnehmer in die Hallen, hier herrschte ebenfalls absolute Sauberkeit. Vor jeder Maschine staute sich die Menge, sodass es schwierig war, den Demonstrationen und Erläuterungen von Fatoumata Coulibaly, der Managerin der Fabrik, zu folgen. Ein zufällig dazugestoßenes französisches Ehepaar zeigte sich gleichfalls interessiert und beeindruckt und wollte Proben der Karitébutter mitnehmen. Ein erster Schritt auf den Markt in Frankreich???
Eine gelungene Einweihung und ein Versprechen für eine bessere Zukunft: für die Menschen in Siokoro und die Mädchen und jungen Frauen in Jigiya Bon.

Das rote Band wird zerschnitten.

Die Kabinettschefin der Industrieministerin durchschneidet das Band.

Blick auf die Fabrikhalle (rechts) und das Verwaltungsgebäude (links).
Blick auf die Fabrikhalle (rechts) und das Verwaltungsgebäude (links).

Weitere Bilder finden Sie im Bildarchiv.

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