• Schluß mit der Beschneidung – und bei euch Kopie

Fest in Neguela zur Aufgabe von Beschneidung und Kinderehen

 9. November 2020

Es war ein wunderbares, unerwartetes Ereignis, das uns beim Besuch Ende Oktober 2020 in Mali erwartete: Neguela, ein Dorf mit über 2000 Einwohnern hat für immer der Beschneidung und den Kinderehen abgeschworen. In Anwesenheit vom Bürgermeister, der Leiterin der Frauengruppen und einer Vertreterin des Familienministeriums gibt es ein großes Fest. „Plus jamais excision à Neguela“ „Schluss mit der Beschneidung in Neguela“, steht auf den Teeshirts, die die Jugendlichen bei der Zeremonie begeistert tragen. Jung und Alt sind gekommen, um dem Spektakel mit Tamtam, Masken-Tänzen und Theateraufführungen beizuwohnen.

Stolz unterschreiben die Dorfältesten mit ihrem Fingerabdruck das offizielle Dokument

Mehr als drei Jahre hat es gedauert, bis die Bevölkerung selbst die Beendigung der schrecklichen Traditionen beschloss und sich für eine Verhaltensänderung entschied. Der Erfolg ist unserer Partnerorganisation AMDD zu verdanken, die einfühlsam, ausdauernd und mit Respekt die Menschen bei ihrem Entscheidungsweg begleitete. Von Anfang an war klar, dass die Entscheidung allein bei den Dorfbewohnern liegt, dass die NGO nur Informationen zur Verfügung stellt, anhand derer die Bewohner selbst die Entscheidung treffen können.

Finanziert wurde das Projekt zu 85% von der baden-württembergischen „Stiftung für Entwicklungszusammenarbeit“.

Plakat

Häuser der Hoffnung ist seit fünf Jahren in der Region von Neguela aktiv. So bauten wir 2016 eine Schule mit drei Klassenräumen, 2017 kam eine Solaranlage aufs Dach, so dass es in der Schule seither als einzigem Ort im Dorf Strom, Licht und Steckdosen gibt. Außerdem wurde, finanziert von der Deutschen Botschaft, ein Gemüsegarten mit Brunnen angelegt, der bis heute Erträge liefert.

Im malischen Fernsehen wurde ausführlich über das immer noch seltene Ereignis berichtet, und zwar sowohl in der lokalen Sprache Bambara als auch in Französisch.

Noch immer gibt es in Mali kein Gesetz, dass Beschneidung und Kinderehen unter Strafe stellt – in Neguela und Umgebung aber werden allein in diesem Jahr Hunderte von Mädchen diesem grausamen Schicksal entkommen.

 

Dorfchef und Dr. Oumou Traoré

Mitarbeiterin des Familienministeriums, Ulrike Däßler, Bürgermeister von Neguela

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