Reisebericht Gunthard Weber – Boro (Teil 3)

 30. Januar 2014

23.1.14

Auf dem Weg nach Boro im Dogonland

Nach einer Übernachtung in Koutiala, einem Ort im Osten des Landes nicht weit von Burkina Faso, fahren wir durch flaches, trockenes und locker mit Bäumen bestandenes Land in Richtung Dogonland, wo wir morgen in Boro sicherlich wieder begeistert begrüßt werden.
Bijou (der uns seit unseren ersten Besuchen auf unseren Touren durch Mali fährt) zeigt uns während der Weiterfahrt Storchennester auf den Bäumen. Wenn die Störche ankämen, seien das Vorboten für die Regenzeit und die Bauern würden beginnen, die Felder vorzubereiten (was eigentlich nicht sein kann, da die Störche  zu dieser Zeit in Europa sind). Wir sehen Baumwollfelder und helle Haufen von Baumwolle. Sie wird in Betriebe gebracht, wo die Kerne entfernt werden. Daraus wir Öl (für die Küche oder als Tierfutter) hergestellt und die Baumwolle über die Elfenbeinküste exportiert. Auch zu sehen: Akazien (Acacia albida), ein immergrüner Baum, dessen gelbe Früchte laut Bijou Antibiotika enthalten.
Wir kommen in die Sahelzone, wo nur kleinere Dornenbäume wachsen und sind nun im Bobo-Land, eine Etnie, deren Angehörige als verschlossen gelten. Sie sind meist Christen und waren früher bekannt als sehr korrekt. Die Bobos waren die Ersten, die gegen die Franzosen aufstanden.
Auf den Feldern viele kleine Haufen von Zweigen, Hirsestroh etc.. Darauf kommt dann noch eingeweichter Kuhdung. Das ganze verrottet mit etwas Erde schnell in der Regenzeit und wird als Dünger benutzt. Überraschend früh erreichen wir San, unser Ziel für das Mittagessen. Einige Strohhütten mit Bänken davor, zwei Laster an der Straßenseite. Es ist Punkt 12 Uhr. Gleich sind Kinder da, die uns Früchte verkaufen wollen, Erdnüsse und Wasser in Plastiksäckchen.

Nach einem Zwischenaufenthalt in Sevaré geht es aufwärts. Unterwegs steigen wir in einer felsigen Gegend aus und schauen uns den eindrucks- und stimmungsvoller Sonnenuntergang an. Als wir im Hotel Falaise in Bandiagara, einem der größten Orte im Dogonland ankommen, ist es schon dunkel. Wir gehen früh schlafen.

Auf dem Weg Nach Boro: Ruth kauft Reiseproviant.

Auf dem Weg nach Boro: Ruth kauft Verpflegung für Unterwegs

Sonnenuntergang in der Nähe von Bandiagara
Sonnenuntergang in der Nähe von Bandiagara

24.1. 2014

Boro und die Einweihungsfeiern

Am Morgen machen wir zuerst einen Höflichkeitsbesuch beim Schulamt in Bandiagara und fahren dann 9 km nordwärts nach Boro, unserem Reiseziel.

Als wir von Bandiagara kommend in Boro eintreffen, sehen wir schon von weitem eine große, bunte Menschenmenge in der Nähe der Schule, wo ein Schatten spendendes Zelt für die Gäste aufgebaut worden war. Als wir vorfahren, laute Böllerschüsse der Jäger, Trommelwirbel. Erst müssen wir die Dorfältesten begrüßen, dann die alten Frauen, die jüngeren, dann einmal im Innenkreis alle Schulkinderhände schütteln, an den Jägern vorbei. Schließlich nehmen wir im offenen Festzelt Platz. Reden: des Dorfältesten, des Schuldirektors, des Bürgermeisters von Soroly, des Direktors der Schulbehörde und von uns. Ein kleiner Schüler sagt uns etwas in gutem Deutsch und dann führen die Schüler und Schülerinnen Sketche auf. Es geht um die Wichtigkeit des Schulbesuches und darum, dass die Eltern auch Mädchen zur Schule schicken sollen. Eingeübte Choreografien werden vorgeführt. Immer neue Frauengrüppchen und ab und zu auch Männer tanzen mit schnellen rhythmischen Schritten und vorgestreckten Armen mit leicht gebeugten Knien auf uns zu und verneigen sich schließlich. Zwei holen Ruth Hoffer und tanzen mit ihr. Wir bekommen zwei große Bogolanwandteppiche überreicht (malische Web- und Färbetechnik, mit Schlamm- und Saftfarben hergestellt). Gemeinsam gehen wir durch ein Spalier von Schulkindern zur Einweihung des kleinen Lehrertraktes mit Lehrerzimmer und Magazinraum, zur Toilettenanlage und zu der Brunnenanlage. In 80 Meter Tiefe stieß der Bohrer auf einen artesischen Brunnen mit Trinkwasserqualität. Das Wasser wird mit einer Solaranlage in einen Hochbehälter gepumpt und von dort zu drei Wasserstellen im Dorf. Dass sich jetzt die Frauen das Wasser so nah holen können, ist eine Riesenerleichterung. Die Schule und die gespendeten 50 Bäume brauchen natürlich auch Wasser.

 

Die Ernennung zum „Hogon“
Teil der Feierlichkeiten in Boro war meine Ernennung zum Hogon (die höchste spirituelle Autorität der Dogon), eine besondere Ehre.  Doch schon, dass alle Schulkinder T-shirts mit meinem Namen trugen, war mir zu viel Personenkult. Die Ernennung zum Hogon geschah völlig  überraschend vor der Toguna, dem niedrigen Versammlungsplatz der Dorfältesten. Ich bekam Hogonkleidung angezogen mit der typischen Dogonkopfbedeckung, zwei Weisheitsstäbe in die Hand, einen Reif an die Hand, eine Tasche umgehängt und musste auf dem Hogonplatz vor der Toguna Platz nehmen. Die Inszenierung beinhaltete Ehrungen wie tiefe Verbeugungen und mir war dabei eher merkwürdig zumute. Zum Abschluss wurde ich in Begleitung der Dorfältesten und der Honoratioren durch das Dorf geführt.

Die mitgebrachten Briefe, Fotos und Bilder aus Steckenborn
Moira Hack, Lehrerin aus Steckenborn, hatte uns vor unserer Abreise Briefe von Schülern der Grundschule dort (in französischer Sprache) an die Schulkinder in Boro zugesandt, Fotos und gemalte Bilder.
Während der Feierlichkeiten in Boro schauen wir sie uns gemeinsam mit dem Schuldirektor und dem Direktor der Schulbehörde an und anschließend zeigt Alpha Tapily, der Schuldirektor, die Originale auch einem Pulk von Schülerinnen und Schülern vor der Schule. Solche direkten Kontakte sind für alle besonderes anregend.
Abends essen wir mit dem Schulrat und seiner Tochter und übernachten noch einmal in Bandiagara.

Ernennung zum Hogon

Ernennung zum Hogon

Briefe und Bilder der Grundschule Steckenborn erwecken grosses Interesse

Briefe und Bilder der Grundschule Steckenborn erwecken großes Interesse

25.01.2014

Auf dem Weg nach Djenne

Etwa 25 km nach Sevaré fahren wir an einer kleinen Schule auf einem Feld vorbei. Sie gehört zu dem nahe gelegenen Bambaradorf Jure. Die Schule besteht aus drei kleinen, etwa 2 m hohen Räumen, die aus Pfeilern aus mit Matten und Schilf verbundenen Eukalyptusästen konstruiert sind.
Wir machen einen Besuch und sind beeindruckt. Je Klasse gibt es einen Lehrer, die Kinder sitzen im Halbdunkel eng gedrängt auf neuen, selbst gebauten Bänken. Am engsten ist es in der ersten Klasse mit 78 Kindern (28 Jungen und 50 Mädchen). Im dritten Raum befindet sich die fünfte Klasse mit etwa 40 Kindern.
Die Schule ist gerade erst gegründet worden. Das Dorf hat sie selbst initiiert und der Staat hat einen kleinen Betrag für das Lehrmaterial zugeschossen. Die Lehrer sind Männer aus dem Dorf, die etwas Geld von den Eltern der Kinder bekommen. So viele lebendige und lernbegierige Kinder mit leuchtenden Augen zu sehen, ist eine Freude. Lehrer wollen sie werden, Ärztinnen, Polizisten und Hebammen… Natürlich ist der Besuch von Europäern etwas besonders Aufregendes.
Wir spenden 30 Euro. Wie gerne würden wir den Wunsch erfüllen, ihnen eine feste und etwas geräumigere Schule zu ermöglichen und haben uns auf alle Fälle mal den Namen des Ortes aufgeschrieben.
In einem anderen Dorf auf dem Weg von Sévaré nach Djenné halten wir wegen einer besonderen Lehmmoschee. Am Straßenrand sitzen die alten Männer unter eine togunaähnlichen Unterstand. Wir begrüßen sie.  Ein Lehmdorf, kein Wellblech, viele Peulspeicher (Peul/Fulbe ist eine Ethnie der umherziehenden Viehbesitzer). Als wir um die Moschee herumgehen, kommen uns zwei Frauen entgegen, eine mit einem Handlautsprecher: ein weiblicher Griot. Sie besingt unsere Ankunft und macht sich auf freundliche Weise etwas lustig über die Weißen. Als sie 500 CFA (etwa 80 Cent) von uns bekommt, brechen alle, die um uns herumstehen, in Jubel aus und Ruth macht ein Tänzchen mit ihnen. Auf der Hinterseite der Moschee sitzen zwei Frauen mit Kindern auf dem Boden mit typischen Körben, mit Trockenfisch, den sie verkaufen. Später in Djenné sehen wir in einem Innenhof einen großen Topf, in dem Fische geräuchert werden.
Es geht weiter durch Überschwemmungsgebiete, in denen Reis angebaut wird, bis zur Fähre am Banifluss. Wir müssen warten bis genügend Fahrzeuge angekommen sind. Ein Pferdewagen fährt mit und etliche Schafe. Ein Mann trägt einen größeren frisch gefangenen Capitaine-Fisch. Wir kaufen ihn ihm ab für das Mittagessen. Es ist nur eine kleine Strecke bis zum anderen Ufer. Frauen versuchen typische Decken und einfachen Schmuck zu verkaufen. Noch ein paar Kilometer bis Djenné. Am Ortseingang wartet Omar auf uns, der Führer, den Bijou immer engagiert. Bijou arrangiert inzwischen das Braten des Fisches. Es ist heiß in dem Gewirr der engen Gassen. Wir sehen viele alte herrschaftliche Lehmhäuser, hören viele Geschichten. In einer Gasse sind zum Beispiel kleine Treppen vor dem Hauseingang. Die hätten die Bewohner im 19. Jahrhundert gebaut, weil früher oft Räuber in Häuser geritten gekommen wären, ein Kind aufs Pferd gerissen und wieder davon geritten sein. Die Kinder wären als Sklaven verkauft worden.
In der Stadtmitte dann die herrliche riesige Lehmmoschee, Weltkulturerbe, die einmal im Jahr von bestimmten Bevölkerungsgruppen neu mit Lehm verputzt wird. Für Nicht-Muslime ist das Betreten der Moschee verboten. Wir hatten aber erfahren, dass wir das Innere der Mosche besichtigen könnten, wenn wir pro Person 10000 CFA (150 €) „für die Armen“ bezahlen würden. So werden Robert und ich um die Moschee geführt, müssen die Schuhe ausziehen, dürfen dann einen Blick in den großen Innenhof werfen, überqueren ihn und treten in das Innere mit vielen Lehmpfeilern, die mit Spitzbögen verbunden sind und viele, teilweise mit blauen Teppichen ausgelegte Gänge bilden, in denen gebetet wird. Es ist Freitag, der Hauptgebetstag. Die Frauen beten im hinteren Teil. Es gibt besondere Eingänge für Reiche, für Frauen und für Arme.
Nach dem Moscheebesuch kaufe ich einer Frau nach längeren Verhandlungen – ich erfahre, das es einen ersten, zweiten und endgültigen Preis gibt – zwei alte Schlüsselanhänger ab und wir gehen zu einem Restaurant, das unseren Fisch hervorragend gebraten hat. Ruth kennt den Koch von früher. Dazu gibt es Kartoffeln, Reis, gekochten Kürbis, Karotten und hinterher eine aus Boro mitgebrachte große Papaya mit Zitronensaft. Im Hotel ist außer uns kein einziger Gast. Es sind harte Zeiten für die Malier.
Wir fahren am selben Tag noch nach Segou, wo wir sehr spät ankommen und übernachten und am 26.1 fahren wir nach Bamako zurück.

Moschee auf dem Weg nach Djenne

Strassenverkäuferinnen in einem Dorf auf dem Weg nach Djenne

Weitere Bilder finden Sie im Bildarchiv.

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